14 Kilometer Ostsee

Und dann war es plötzlich so weit: Unser persönliches Lauf-Highlight des Jahres! Den ganzen Juli haben wir uns wie bekloppt und relativ erfolgreich darauf vorbereitet. Und den halben August haben wir dann damit verbracht, die gewonnene Kondition wieder zu verdaddeln! 😀 Will sagen, nach den vier harten Wochen Training Goliaz, die uns wirklich an die totale Leistungsgrenze gebracht hat, kam erstmal eine Woche Wacken Open Air mit viel Junk und wenig Sport. Danach wieder die Kurve zu bekommen, war echt hart. Zum Glück kam da noch die dritte Freeletics Hellweek, die ein paar der Verluste wieder wett machen konnte. Aber insgesamt, so zeigte sich dann am vergangenen Sonntag recht deutlich, sind wir im letzten Vierteljahr eindeutig zu wenig gelaufen! Gut, es ist ein ganz anderer Schnack, ob man hier bei uns im Hauswald über halbwegs befestigte Forstwege läuft, oder über so manchen Kilometer im feinen und tiefen Ostseesand. Und vierzehn Kilometer sind auch eine etwas andere Hausnummer, als sechs, acht oder auch zehn. Nach 10 Kilometer machten dann auch meine Beine endgültig zu, und es war schon ziemlich deprimierend, die letzten gut zwei Kilometer bis ins Ziel eigentlich nur noch Spazieren gegangen zu sein, während uns so langsam die Läufer der L-Distanz überholten. Oder waren das gar schon die ersten aus dem nachfolgenden Startblock? Aber genug gejammert! Kommen wir zu den Fakten und Feelings. Gelaufen sind wir, wie gesagt, die M-Distanz über 14 Kilometer mit 26 Hindernissen, wofür wir 2 Stunden und 49 Minuten gebraucht haben. Hier das offizielle Aftermovie für ein paar Impressionen:

Nach einem kurzen Warm up ging es auch schon über die erste Wall in die Startzone. Ok, das war nun wirklich keine Herausforderung. Nur knapp 1,20 oder so. Wenn das so bleibt, wird’s easy…  😛 Uns wurde noch ein bisschen eingeheizt, ein paar letzte Infos, dann ging es endlich auf die Strecke! Nach knapp 2-300 Metern die ersten drei „offiziellen“ Hindernisse in schneller Folge: „Over and out“ – Frankfurter Gitter im Karree aufgestellt. Viermal Hockwende, fertig, weiter zu „Dragon’s Ditch“ – das erste Mal in einer Sandkuhle nass werden. Quasi der „Vorfluter“ zu „RottenRiver“, der kurz darauf mitten auf der Promenade aufgebaut war.

Start. Foto: sportograf.com
Start. Foto: sportograf.com

Auf gut 15 Metern unter Bauzäunen im Wasser entlanghangeln. Spätestens hier waren wir dann komplett eingeweicht. Zum wieder Aufwärmen durften wir jetzt mal ein paar hundert Meter am Stück laufen. Und hier zeigte sich erstmals Nicoles altes Problem: Sie überpaced immer auf den ersten Metern derart, dass maximal 400 – 500 Meter laufen am Stück drin sind! Um das Problem endlich in den Griff zu bekommen, gibt es jetzt doch mal eine Laufuhr. Nächstes Hindernis: „Sporty Spider“ – ein vier Meter hoch gehängtes, frei schwingendes Cargonetz. Am Besten hängen sich ein paar Leute als Gegengewicht rein, dann geht es einfacher. Blöd nur, wenn einem der Kopf noch im Weg steht. Bisher zu wenig Adrenalin im Blut, das erschwert das Herüberklettern für manche doch erheblich… 😉 Spätestens nach diesem Hindernis waren die „jungen Wilden“ aus dem Team XXxXX auf und davon. Einzig Karin blieb tapfer bei uns beiden alten Säcken. Hier nochmal ein herzlicher Dank dafür! „No one get’s left behind!“ 400 Meter später – „Crew Carry“. Ein alter Autoreifen, vier Stricke mit Holzgriffen.

Das ganze um einen Tennisplatz herum. Eine Grundregel im Rettungsdienst lautet: „Der Zwerg geht am Berg“. Das bezieht sich darauf, dass beim Transport eines Patienten mit dem Tragestuhl im Treppenhaus der kleinere Kollege besser „am oberen Ende“ geht, weil das den günstigeren Winkel ergibt und der Patient so sicherer und komfortabler sitzt. Blöd nur, dass wir Vollprofis diese Regel nicht beherzigt haben. Es wäre durchaus schlauer gewesen, die Mädels hätten die Rollen getauscht, aber K. wollte sich selbst und uns wohl was beweisen. Zum Dank bin ich dann auf dem Rückweg am Hang gelaufen. Somit hatte sie es doppelt schwer… 🙂 Die nächsten beiden Hindernisse kamen weiter etwa in Vierhundertmeterabständen: „Weight Walker“ – Sandsackschleppen durch eine Streuobstwiese und „Team Tug“ – einen Treckerreifen am Seil durch den Staub ziehen. Wow, das haut doch echt mehr rein als gedacht! Kurz verschnaufen, dann rüber auf die andere Straßenseite. Drei Hindernisse in schneller Folge. „Whicked Wheels“, ein Container voller alter Reifen. „Triple Trauma“,

Strickleiter am Überseecontainer rauf, über einen Schwebebalken zum nächsten Container balancieren, eine Holzkonstruktion wieder herunter, und dann ging es endlich mal in den Matsch: „Barbwire Battle“. Aber auch nur ein bisschen, denn trotz Bewässerung gab es einfach nicht genug davon. Der Untergrund war einfach zu sandig und zu trocken. Und der Stacheldraht hing doch noch ziemlich hoch, wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann. Army crawl geht einfach anders… 😈 Danach noch ein wenig auslaufen und im Küstenwind wieder leicht antrocknen, dann kam das erste echte Highlight des Runs: „Speed Slide“, eine mindestens 10 Meter hohe Wasserrutsche. Bis jetzt war das alles relativer Kindergeburtstag, aber das war jetzt mal die erste Mutprobe des Tages. „Warum mache ich diesen Scheiß hier eigentlich“ war so ziemlich der letzte Gedanke, bevor mein Arsch den Bodenkontakt verlor und kurz darauf mit Schwung im Wasser landete. Wow, spätestens jetzt war der Adrenalinspiegel ausreichend hoch für allen Blödsinn, den man so anstellen kann! Jetzt brauchten wir erstmal eine Abkühlung. Und die sollte bald schon kommen! Nächstes Ziel: „Freak Froster“. Ein Vorfluter mit kaltem Wasser, dann ging es ans Eingemachte: Der nächste Container war mit

Eiswasser gefüllt. Und ja, man _musste_ ganz runter. Ich behaupte ja immer noch, dass dieses Biest an der Erkältung Schuld ist, die uns danach erwischt hat! Erstaunlicherweise fühlte es sich anfangs gar nicht so furchtbar kalt an. Bis der Kopf unter Wasser war! Gehirnfrost ist kein Ausdruck!! Es dauerte Minuten, bis die Nebenhöhlen wieder entkrampft waren. Wohl schon das erste Anzeichen, dass da was im Anmarsch war. Den Grundstein dazu haben wir uns wohl am Freitag davor beim Lauf im Gewitterregen gehlegt, aber den Rest haben wir uns definitiv hier geholt. Naja, geht auch wieder vorbei…

Den Lauf zum nächsten Hindernis habe ich irgendwie nur halb mitbekommen, aber irgendwann war das Gehirn wieder aufgetaut und wir standen vor der „Wonder Wall 3.0“. 3.0 bezeichnet übrigens die Höhe der Holzwand. Klar, dass normale Menschen hier nur im Teamwork raufkommen. Räuberleiter unten, oben reicht einer der Hände, dann geht’s. Man muss nur auf das Gleichgewicht aufpassen. Und darauf, dass einem niemand ein neues Muster ins Gesicht zaubert… :mrgreen: Weiter ging es den Strand herunter. Hier zeigte sich erstmals, das Laufen im tiefen Sand einfach kacke ist! Über eine Wippe („Ball Buster“) ging es dann zum

Power Pipe 4.5 Foto: sportograf.com
Power Pipe 4.5 Foto: sportograf.com

nächsten Highlight: „Power Pipe 4.5“. Die berüchtigte Quarterpipe. Und ihr ahnt es schon – die 4.5 sagen etwas über die Höhe des Hindernisses aus. Auch hier kommen nur Aliens alleine hoch. Normale Menschen helfen sich dabei. Normale Menschen sehen auch irgendwann ein, wenn sie dieses Hindernis nicht schaffen, und gehen 15 Burpees machen. Unnormale Menschen versuchen es acht, neun mal, und werden beim neunten Mal aufgrund ihres Tittenbonus von Vorzeigeathleten mit aus zwanzig Metern gut sichtbarem Sixpack heraufgezogen. Hier bei ca. 6:20 gut zu sehen, was ich meine. Und ja, der Typ, der da den Kopf darüber schüttelt, der ist mir bestens bekannt. Nicole gehörte übrigens auch zu den unnormalen Menschen. Sie ist schon nach dem zweiten Versuch Burpees machen gegangen… 🙄 Hinter der Pipe wäre der Lauf dann zuende gewesen, hätten wir „nur“ die S-Distanz gebucht. Aber für uns ging es jetzt weiter zur „Super Swing“, einer Seilschaukel. Zuwenig Körperspannung befördert einen hier direkt ins Wasser. Zuwenig Griffkraft läßt einen das Seil ein wenig herunterrutschen und so zu früh auf der anderen Seite aufkommen – und befördert einen ins Wasser. Bei Ninja Warrior wäre spätestens hier für mich das Aus gekommen, sieht man mal von dem Umstand ab, dass ich die Pipe ja auch nur mit Hilfe geschafft habe.

Gut, nass war ich also schon mal wieder ein bisschen, also kann man auch mal ganz ins Wasser gehen. „Instable Islands“ hieß das nächste Hindernis an der großen Seebrücke. Nur fehlten diese Islands mal direkt, und so musste man nur durchs Wasser waten und ein weiters Cargonetz hochklettern. Aber den hätte ich mal sehen mögen, der sich auch nur bei leichtem bei Seegang auf den Instable Islands hätte behaupten können! Über die eroberte Seebrücke ging es dann für gut einen Kilometer am Stück ab auf den Deich. Was dann folgte, hieß „Beasty Balance“. In der Beschreibung hieß es, ein Seil sei hochzuklettern. Zum Glück war es doch nur eine Strickleiter. Allerdings eine freihängende. Oben angekommen galt es, über einen doch arg glitschigen Balken zu kommen. Aufstehen war den meisten doch zu heiß, also rutscht man am besten mit dem Mors darüber bis zum Überseecontainer, weiter auf den nächsten, diesmal trockenen Balken um dann eine Stange herunterzurutschen. Hört sich relativ einfach an, oder? Also weiter zur „Boulder Box“. Eine Holzwand an verhältnismäßig kleinen Griff- und Trittleisten entlangklettern, eine Stange entlanghangeln und noch eine Holzwand seitlich überwinden. That’s it, that’s fun! Durch die Graudüne am Fuß des Deichs ging es nun zur „Hit the Hole“. Auf dem Weg dorthin wurde mir aber langsam klar, dass die restliche Herausforderung des Laufs keinesfalls die noch kommenden Hindernisse sein werden, denn so langsam machten die Beine zu und mein linkes Knie fing an, sich bemerkbar zu machen. Inzwischen gab K. aber mithilfe ihrer Polar V800 das Tempo vor, so dass der Lauf insgesamt gleichmäßiger wurde. „Hit the Hole“ war eine 4m hohe, steile Holzpyramide. Mit zwei Pinnen ging es Loch für Loch hinauf. Für die Füße gab es wahlweise eine Latte mit ausgesägten Keilen oder eine aufgelattete Leiter. Allzuviel Halt bot beides indes nicht. Hier trennten sich erneut die Wege. Rechts am Strand entlang ging es für die Irren, die unbedingt noch 4 Kilometer und 8 Hindernisse drauflegen wollten. Links liefen wir weiter zum „Clumsy Cliffhanger“, einer dachförmig aufgehängten, 7 Meter langen Monkey Bar aus Strickleitern. Nocheinmal ein Test für Griff- und Armkraft. Nicht mehr so sehr mein Problem, aber für Nicole und K. machte es noch vor der Mitte „platsch“. Das bedeutete Burpees. Gnädigerweise erlaubte der Steward, diese aufzuteilen. 15 durch drei sind fünf für Jeden, das geht ja schnell… 😀 Ok, um ehrlich zu sein, wäre ich auch fast noch hereingefallen. Aber nur durch – natürlich – den eigenen Hochmut, ich könne einfach die letzte Sprosse auslassen und mich schon an Land schwingen. Ja, hat geklappt. Aber beinahe hätte ich doch noch das Gleichgewicht verloren und wäre fast auch im Wasser gelandet. Aber gerade nochmal gut gegangen. Nach den Burpees ging es durch ein Waldstück zurück Richtung Start und Ziel. Nur noch wenige Hindernisse waren jetzt zu überwinden;

einmal ging es noch komplett ins Wasser. Aber das Größte Hindernis war jetzt der Weg an sich. Fast nur noch tiefer Sand! Und die Beine waren jetzt richtig schwer und eigentlich sind wir nur noch ins Ziel gewandert. Was freuten wir uns über das Siegerbier, eine höchst gesunde Currywurst mit Pommes und eine Dusche! Und nein, sie war definitiv nicht warm! Der Rest des Teams schmiedete schon fleißig Pläne. Im Oktober ist noch der Mud Masters, man wolle dort noch starten. Und im nächsten Jahr dann doch bitte auch hier unbedingt die L-Distanz. Nun, wir sind für dieses Jahr fertig mit dem Thema. Aber die Ziele für nächstes Jahr stehen schon fest: Strongmanrun Wacken über die volle Distanz, Xletix Norddeutschland auch gerne wieder, und warum nicht die 18 Kilometer? Und ich habe mir fest vorgenommen, mindestens einen Strong Viking zu Laufen. Wenn die Kids wirklich mitmachen, auch zwei: Nämlich dann einmal die Family Edition und einmal eine Water Edition, beides möglicherweise in Nijmegen. Das dann auch nur zum Kennen lernen, denn ein Projekt für 2018 habe ich mir in den Kopf gesetzt: Viermal Strong Viking über die „Beast“-Distanz (19+ Kilometer mit 40+ Hindernissen), und mir damit den „Varjagen“-Torque holen! Glücklicherweise hat sich schon Lars freiwillig gemeldet, diese Laufserie mit mir zu testen und Mathias aus unserem Freeletics-Feed will das Projekt „Varjagen“ mitmachen, denn noch zeigt mir Nicole nen Vogel, wenn ich sie darauf anspreche. Noch! Aber spätestens Freitag kommt ihre Polar, dann kann das Lauftrainig wieder losgehen… 😉

2 thoughts on “14 Kilometer Ostsee

    1. 2018? Steht da doch! Oder meinst du 2019? Nö, Dieser Standardkram interessiert mich den ganzen Tag nicht. Iron Viking vielleicht? Oder Spartan Ultra Beast? 42 Kilometer mit 100+ Hindernissen… Und deine Ziele für 2019? *fg*

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