BDSM? Whooot the F.A.Q..?

Das nachfolgende Interview hat so in dieser Form leider niemals stattgefunden. Würde man uns aber diese Fragen offen stellen, statt hinter unserem Rücken zu tratschen, spekulieren und lästern, würde es in etwa so aussehen:

Q: Hey ihr zwei, ihr führt ja offenbar einen sehr seltsamen Lebensstil, und das auch noch so ziemlich öffentlich! Was hat es damit auf sich, und warum macht ihr das? Warum versteckt ihr euch nicht und lebt das heimlich aus, wie die meisten Anderen das tun würden.

A: Wir haben eigentlich noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir freier mit dem Thema Sexualität umgehen, als die meisten anderen Menschen. Wir haben die gesellschaftliche und moralische Konvention, sich zeitlebens an einen Partner zu binden und ihm körperliche Treue zu schwören, noch nie wirklich nachvollziehen können und haben das auch zumindest von Zeit zu Zeit ausgelebt. Wenn man sich jetzt aber die Vorstellung macht, dass wir wahllos von Bett zu Bett gehüpft sind, so ist das schlicht falsch! Vor einiger Zeit, Anfang 2017 etwa, wurde allerdings eine Seite in uns freigelegt, die natürlich schon immer vorhanden1, uns aber nie wirklich bewußt war. Seitdem erweitern wir unser Repertoire um diesen Aspekt, dieses BDSM, von dem seit ein paar Jahren auch so viele reden.

Q: Was bedeutet BDSM und wie muss man sich das vorstellen?

A: Was BDSM ist, und was es auch nicht ist, darüber wird auch in Insiderkreisen seit langem und ohne Ergebnis trefflich gestritten. Letztlich definiert das jeder Praktizierende ganz für sich selbst. BDSM ist in erster Linie nur ein aus dem englischen stammender Begriff, eine Abkürzung mit mehrschichtiger Bedeutung. B steht für Bondage, also alles, was mit Fesselung im weitesten Sinn zu tun hat. D steht für Discipline, der Spielart, in der es um Unterordnung, Erziehung und „Bestrafung“ geht. Während Discipline am Ehesten ein temporär beschränktes Spiel darstellt, ist Dominance and Submission, gerne D/s abgekürzt, also Beherrschung und Unterwerfung oft als Beziehungsform angesehen, wo das zwischen den Partnern vereinbarte Machtgefälle dauerhaft etabliert ist. SM – Sadismus und Masochismus ist die wohl ursprünglichste Form. Hierzu zählt im weitesten Sinn alles, was mit der Lust an körperlicher und seelischer Qual zu tun hat. Allen diesen Formen, deren Aufzählung hier längst nicht abgeschlossen ist, ist gemein, dass alle Handlungen in einem vorher vereinbarten, wir sprechen von konsensuellem, Machtgefälle stattfinden. Das unterscheidet zum Beispiel eine harte und ausgiebige Spanking-Session („den Hintern versohlen“) von Gewalt in der Beziehung und Mißbrauch. 

Wie gesagt, die Aufzählung der Facetten des unter BDSM zusammengefassten Themenkomplexes ist hier längst nicht vollständig. Zudem gibt es fast immer – auch bei uns – Überschneidungen der ausgelebten Neigungen und Spielarten

Q: Wie seid ihr denn jetzt dazu gekommen? Hattet Ihr z.b. eine schlimme Kindheit?

A: Klassikerfrage! Um es mit Freud zu sagen, sind wir doch alle durch unsere Kindheit mehr oder weniger vorgeschädigt. Ob und wie weit erlebtes in unserer Kindheit zu der Entwicklung beigetragen haben, können wir hier nichteinmal wirklich sagen. Kann sein, kann auch nicht sein. Aber unsere Kindheit als „schlimm“ zu bezeichnen, wäre definitiv falsch! Es waren Kindheiten, die für die damalige Zeit völlig normal waren.

Q: Lebt ihr das eigentlich permanent aus? Wie lebt ihr das aus?

A: „We live the lifestyle, when we can.“ Im Moment ist das wirklich ein großes Thema in unserem Leben, was vermutlich wirklich jeder beobachten kann, der länger als zehn, fünfzehn Minuten mit uns in einem Raum ist. Aber zu sagen, dass wir z.b. in einem permanenten Machtgefälle (im Sinne D/s) leben, wäre zuviel gesagt. Das ist aus nachvollziehbaren Gründen auch gar nicht mögllich. Dennoch schlagen (hihihi…) Momente immer wieder auch spontan mal durch.

Q: Habt ihr denn noch normalen Sex, ohne fesseln, schlagen, etc.?

A: Ja, natürlich. Übrigens geht es im BDSM nicht immer nur ums Sex, wie ein Vanilla (oder Stino – wie wir nicht BDSM lebende Menschen nennen) es verstehen würde. Nicht jede Handlung aus dem BDSM-Kontext endet zwangsläufig mit Geschlechtsverkehr. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Uns geht es sehr häufig „nur“ um Kopfkino, Mindfuck oder andere, durchaus körperliche Empfindungen, die aber nur begrenzt oder gar keinen sexuellen Charakter im landläufigen Sinn haben.

Q: Manchmal bleiben ja sichtbare Spuren von diesen Sessions zurück. Was erzählt ihr den Leuten, wenn sie euch darauf ansprechen?

A: Die Wahrheit, was sonst? Lügen haben kurze Beine. Ausserdem ist es durchaus spannend, die Reaktionen der Vanillas darauf zu beobachten.

Q: Ihr sagt, Ihr lebt Eure Neigungen auch mit Spielpartnern aus. Wie geht ihr mit Eifersucht um? Seid ihr überhaupt eifersüchtig?

A: Ja, natürlich erleben wir hin und wieder auch Eifersuchtsmomente. Das ist absolut normal. Eine gesunde Portion Eifersucht gehört vielleicht zu dem Spiel auch dazu. Es regt einen an, sich für den Partner wieder interessant zu machen. Es geht dabei aber nicht um Verlustangst, bzw. es darf genau darum nicht gehen. Es ist auch ein gewaltiger Unterschied, ob man daraus ein Drama macht, oder ob man sich lieber auf den Benefit besinnt, den das, was der Partner „extern“ erlebt hat, mit in die Beziehung bringt. Der Schlüssel ist Kommunikation. Ohne Offenheit in jeder Hinsicht und viel darüber miteinander zu sprechen geht es einfach nicht. Das mussten wir auch erst (wieder) lernen. Als wir zusammen „auf die Piste“ gegangen sind, war das nicht so schwierig; man hat ja alles gemeinsam erlebt. Inzwischen sind wir meist tiefenentspannt. Schwieriger ist es immer dann, wenn einer gerade mal keinen Spielpartner hat.

Q: Wieviel erzählt ihr Euch davon, was ihr mit Euren anderen Spielpartnern erlebt?

A: Oh, das kann schon mal ziemlich viel sein. Vor allem, wenn wir mal auf großen Veranstaltungen waren oder etwas Neues ausprobiert haben. Das befeuert dann das Kopfkino des anderen erheblich und endet nicht selten im Bett… 🙂

Q: Wissen eure Angehörigen, Euer Chef von euren Neigungen und wie gehen sie damit um?

A: Naja, viele wissen davon. Christians Kinder sind informiert. Sie sind alt genug und bekommen natürlich im Großen und Ganzen mit, was so passiert. Dass wir z.b. noch Spielpartner haben. Details binden wir ihnen natürlich nicht auf die Nase! Ob man unseren Eltern, die so grob um die 80 sind, das noch vermitteln muss, ist ein anderes Thema. Das Verständnis wäre vermutlich relativ gering. Aber wenn sie etwas mitbekämen, naja, wäre es auch kein Beinbruch.
Unseren Arbeitgeber interessiert glücklicherweise nicht, was wir privat so treiben und mit wem. Es ist ja nicht so, als hätten liebenswürdige Kollegen nicht schon einmal versucht uns ans Bein zu pinkeln. Es kam dann zu einem Gespräch in angenehmer und konstruktiver Atmosphäre mit der Personalabteilung und der Abteilungsleitung. Konsens(!) daraus war dann, dass wir z.b. insbesondere im Bereich Social Media darauf achten, dass dienstliches und „perverses“ nicht für die Öffentlichkeit miteinander in Verbindung zu bringen ist. Konkreter Anlass damals waren unsere Instagram Profile, wo tatsächlich ein paar Vermengungen in der Chronik auftraten. Das Problem ist gelöst. Natürlich sind wir noch auf einschlägigen Plattformen unterwegs. Aber wer uns da findet und Zugriff bekommt, hat es sich nicht nur verdient, sondern ist mindestens so pervers wie wir… 😉

Q: Ihr arbeitet im Rettungsdienst. Hat eure Neigung eure Berufswahl beeinflusst? Macht es Euch an, Leiden, Blut zu sehen? Erregt es Euch, wenn die Patienten Euch ausgeliefert sind?

A: Die Annahme alleine ist schon absoluter Bullshit und verbietet sich deshalb! Wir haben den Beruf gewählt, lange bevor wir in diese Szene eingetaucht sind. Mit dieser Annahme stellt man uns auf eine Stufe mit dem Pädophilen, der seiner Neigung wegen Kindergärtner geworden ist. Eine klare Beleidigung! Wir sind Profi genug, um unsere Neigungen zu kontrollieren und nocheinmal ganz klar: Im BDSM geht es um konsensuelles, also einvernehmliches Ausleben der Bedürfnisse. Alles andere ist Mißbrauch! 

  1. wie sehr das schon immer z.b. in Christian vorhanden war, erkennt man ganz gut in diesem Beitrag.