Die Krönung!

Und dann war er da – der „nächste“ Tattootermin! Ich scheine meine Tattoos ja so ungefähr in Zehnjahresabständen zu bekommen. Also war es jetzt endlich mal wieder an der Zeit. Nicole, die mich jetzt in kürzester Zeit an „Frequenz“ deutlich überholt hat, hatte den Stil und das Studio für mich bereits im Dezember ausgetestet. Bislang hatte ich meine Farbe „nur“ mit der Maschine in die Haut bekommen. Das neue Projekt sollte jetzt in handgearbeiteter Dot Work gemacht werden. Szenebekannt dafür ist Svea von Handmade-Pain-Tattoo.

Und: Es sollte ein Partnertattoo werden! Kann man zu stehen, wie man will. Reichsbedenkenträger würden jetzt sagen „Aber was ist, wenn ihr euch mal trennt?“ Wäre unsere Beziehung darauf ausgelegt, dass wir uns irgendwann trennen wollten, hätten wir gar nicht erst geheiratet. Hätte wenn und aber zählt hier einfach nicht. Punkt. Und sollte es doch wider aller Planung einmal darauf hinauslaufen, so wird dieses Tattoo immer für einen Lebensabschnitt stehen. Die gemeinsamen Jahre kann man einfach nicht wegignorieren oder aus dem Leben streichen, oder? Na also, geht doch… ^_^

Das Motiv sollte uns verbinden. Für uns, für unseren Namen stehen. Klar, eine Krone. Soweit, so einfach. Darunter dann unser Hochzeitsdatum in römischer Zahlschrift. Also XXIV.VII.MMXX. Der Motiventwurf war nicht so ganz einfach, da es ja in Dot Work „umgeschrieben“ werden musste, und Svea Bedenken wegen der Größe und des Verlaufens der Tinte in der Haut mit den Jahren hatte. Sollte ja schließlich nicht nur kurze Zeit schön sein, oder? Richtig soweit. Und so gingen die Mails hin und her, kamen aber nicht so ganz überein. Vor Ort sind wir dann ziemlich schnell d’accord geworden. Manchmal muss man eben doch direkt miteinander reden, dann wird vieles deutlicher. Svea fragte uns nochmal, ob wir wegen des Datums richtig sicher waren. Sie habe davon einfach mal keine Ahnung. Klar, waren wir (Nicole schaute mich fragend an), sagte ich im Brustton der Überzeugung. Bin ja schließlich lange genug zum Matheunterricht gegangen und habe alle Asterix-Bände zuhause!

Okay, die Vorbereitungen waren abgeschlossen, die Matritze auf der Haut. Ich war dann mal zuerst dran. Glücklicherweise… Das erste mal die Nadel in den Arm versenkt. Hey, das ist ja echt kein Vergleich zur Maschine! Bedeutend angenehmer. Und auch über die ganze Sitzung hinweg. Im Grunde hätte ich zwischenzeitlich mal sowas von einschlafen können. Faszinierend! Irgendwann dann war mein Arm fast fertiggetackert, aber Svea brauchte eine kurze Pause. Die Mädels sind kurz raus, haben was getrunken und ich bin mal auf die Pipi-Box gegangen. Und wie ich da so sitze und mir das gelungene und fast fertige Motiv so ansehe, das Datum betrachte… XXIV.VII.MMXX… Schöner Tag damals, auf der Burg Greifenstein vor nun fast 5 Jahren… Moment!!! MMXX..? MMXX??? o.O … …. Kopf –> Waschtisch!!!! Dieser Termin liegt nicht etwa fünf Jahre in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft!! Oh Mein Gott!! Ganz kurz wurde mir etwas schwindelig im Kopf. Man gut, ich saß gerade auf der Keramik! Aber dann überkam mich ein Schmunzeln. So ein Ding kann auch wieder mal nur mir passieren! Ok, jetzt Contenance bewahren und sich (erst mal) nichts anmerken lassen. Schließlich sollte Svea den Kopf für den restlichen Teil frei haben, und sich nicht Gedanken über diesen Unfug machen müssen. Die indes machte ich mir. Also, wie damit umgehen, wie das Ding retten? Wegradieren geht ja nicht mehr. Und ausserdem wäre das Datum damit unsymmetrisch. Sieht kacke aus. Mein Symmetrieempfinden war es wahrscheinlich auch, welches da so mir nichts dir nichts das zweite X da hintendrangehängt hat. Erster Impuls: Das überzählige X mit roter Farbe durchstreichen. Ja, Frau Lehrerin, ich bin ein Esel, habe mich verrechnet, also streiche mir den Fehler mit rot an! Man muss auch einfach mal zu seinen Fehlern stehen können, oder? 🙂

Dann war meine Session vorbei und ich sagte Svea, dass sie das Motiv für Nicole „mal eben“ ein klitzekleines Bisschen verändern müsse. Fragende Blicke. Aufklärung. Blasse Nicole. Blasse Svea. Ich schlug ihr meine Lösung vor, die sie aber ersteinmal verwarf. Ok, also gehe ich jetzt erstmal mit MMXX nach Hause. Mal gucken, was letztendlich daraus wird…

Nachdem das Datum dann für Nicoles Arm korrigiert wurde, war sie dann an der Reihe. Der Rest der Sitzung verlief dann ziemlich unspektakulär, wenn man davon absieht, dass die Damen sich über ihre Viechereien (Hühner, Schafe, Kühe) und Sex and the City unterhielten. Nebenbei haben wir mit „Tenacious D.“ eine für uns neue interessante Band kennen gelernt. Nicht, dass wir uns wirklich auf die in höchstem Maße nicht jugendfreien Texte hätten konzentrierten können, aber musikalisch passt es, und was man so zwischendurch an Fetzen aufschnappen konnte, war mehr als explizit – aber geil. Nach insgesamt gut sechs Stunden sind wir dann mit zwei Kronen und zweimal nachstechen nach Hause gefahren. Und nur noch ins Bett gefallen…
Svea, ich denke, wir kommen wieder…

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