Quo vadis? – again…

Mittelalter Käse

Schon wieder einmal eine Standortbestimmung und ein bisschen Ausschau halten nach – ja was eigentlich..?

Es ist Freitagnachmittag, ich sitze hier in den letzten Minuten meiner Mittagspause und beginne einen Eintrag über … Dinge. Heute Abend wollen wir zur Turmhügelburg nach Lütjenburg. Wohl so wie es aussieht, das letzte mal. Zumindest für die Märkte und in offiziellem Auftrag. Und warum? Weil der Veranstalter der Meinung war, er müsse die Märkte von dreimal auf zweimal im Jahr reduzieren. An sich angesichts stetig sinkender Besucherzahlen gerade zum “Lütjenburger Aufbruch” im September eine gute Idee. Wenn man nicht auf den Klops kommt, einen Termin ausgerechnet auf das erste Augustwochenende zu legen! War da nicht etwas? Ja, verdammt nochmal, da findet seit dreißig Jahren(!!) jedes jahr aufs Neue das Wacken Open Air statt! Und der Vorstand des Vereins der Freunde der Turmhügelburg weiß das natürlich nicht. Bei der Terminfindung wird natürlich auch wirklich niemand gefragt, ob dieser Termin passt oder geschickt ist! Ich meine, es gibt natürlich überhaupt keine Überschneidung der Mittelalterszene und der Metalszene. Nö, es wird natürlich keiner der Händler, Lager oder gar der Besucher lieber eine Woche nach Wacken ziehen! Wer Sarkasmus in den letzten Sätzen gefunden hat, der darf in behalten.
Ach, was rege ich mich auf, nützt ja eh nix… Für uns ist das Thema jetzt erstmal durch. Wir werden auf jeden Fall Wacken bevorzugen. Das bedeutet natürlich, wenn wir die Leute nicht verwirren wollen, wenn wir so etwas wie eine Konstante bieten wollen, müssen wir konsequenterweise auch Pfingsten der THB fern bleiben. Leider. Und glücklicherweise. Denn jetzt werden wir es endlich einmal zum WGT nach Leipzig schaffen! Da wollten wir nämlich auch schon seit Ewigkeiten mal hin. Schauen wir mal, ob und wie wir es dann in Zukunft mit anderen Veranstaltungen, wie Museumstag oder Belebungen halten. Auf zu neuen Ufern also!

Nawa kai, Nawa Do, Nawa Quo

Etwas war da ja noch im Zuge der “Great suspension (of Disbelief) – Tour von Osada Steve zu berichten, habe ich gesagt. Etwas unschönes. Etwas, was auch traurig macht, und etwas, was ein Kapitel auf einem Hohepunkt nach zweieinhalb Jahren zumindest vorläufig beendet hat.
Die Veranstalter der Hamburger Workshops machten uns seit gut einem dreiviertel Jahr, seit Weihnachten 2018 nämlich, den Mund wässrig. Steve kommt. Cheffe kommt; sie haben es geschafft, den Sensei nach Hamburg zu holen! Einzelheiten wisse man noch nicht, aber es werde um Workshops und Einzelunterricht gehen. Und man will dann natürlich dieses Ereignis gebührend mit dem Sensei feiern. Dazu werde man (über den eigenen Schatten springen) und sich mit allen anderen lokalen Bondage”größen” zusammentun, denn eine Veranstaltung dieser Größenordnung könne man unmöglich alleine stemmen. Welch weise Worte!
Wenn man jetzt die hiesige Bondageszene ein wenig von innen kennt, dann merkt man schnell, dass es ganz ähnlich wie in der Mittelalterszene ziemlich streng getrennte Gruppen um einige mehr oder weniger charismatische Leitfiguren kennt. Der kann nicht mit dem, die kann nicht mit jenem, und alle können nicht mit diesem da. Manche halten sich aus dem Spiel ziemlich heraus, machen ihr Ding und scharen ihre Schäflein um sich. Manche sind laut, tragen ihr Ego wie eine Fahne flatternd im Wind vorneweg, manche haben das nicht (mehr) nötig, und … machen ihr Ding. Sollte es eine Persönlichkeit von außen tatsächlich schaffen, alle wieder an einen Tisch, an ein Seil zu bekommen? Schön wäre es gewesen! Ich erspare mir an dieser Stelle jetzt Einzelheiten, zumal ich mit größter Sicherheit auch nicht in Kenntnis aller Details bin.
Jedenfalls sollten auf diesem Nawa Kai, diesem “Seil Treffen” einige Größen der europäischen Bondageszene erscheinen und, so wurde zumindest suggeriert, auch Auftreten. Die Suggestion ging natürlich so weit, dass als Höhepunkt des Abends Steve selbst eine Performance machen sollte. Und nein, es wurde natürlich nie etwas ganz konkretes gesagt, aber gerne mal die eine oder andere Nebelkerze geworfen, und hier und da mal ein zwei Namen und Andeutungen gebracht. Alles noch ganz geheim! Wuhuhuuu! Aber es wird geil, großartig und mindestens die beste Party, die Hamburg seit Jahrzehnten, ach was, seit überhaupt, erlebt habe. So, wie gesagt, zumindest die erzeugte Erwartungshaltung! Das ging soweit, dass man Plakate und extra Karten drucken ließ und diese streng limitierten Karten im Vorverkauf anpries. Man hat zudem für die gesamte Woche sämtliche Zimmer im Catonium-eigenen Hotelbetrieb geblockt Und wir haben extra Freunde aus NRW damit verrückt gemacht und dafür nach Hamburg gelockt Etwas, wofür wir uns heute noch regelrecht schämen!
Samstagabend, kurz nach 20:00 Uhr, betraten wir zu siebt das halbwegs geschmückte Catonium. Halbwegs geschmückt? Ja, thematisch sah es ein bisschen nach Japan und Bondage aus. Aber ganz ehrlich, selbst das hatten wir auf diversen “Tüdelfesten” schon ehrheblich schicker und liebevoller gesehen. Aber nun gut, nicht die Deko macht eine Party, sondern die Gäste. Und die Ehrengäste. Eventuell zumindest. Das dem nicht so war, stellte sich dann schnell heraus. Bereits am Donnerstag unseres Unterrichts wurde laut, dass mindestens einer der “internationalen Gäste” aus, so wie es hieß, “gesundheitlichen Gründen” nicht erscheinen wird. Man arbeite aber noch an einem Ersatz. Und plötzlich ging dass Wort von Veranstalterseite herum, dass ein “Überraschungsgast” noch auf der Autobahn im Stau stecken würde. Das war vom VA lancierte Mundpropaganda durch den halben Saal, denn obwohl die Party seit über einer Stunde eher schleppend aber im Gange war, hatten sich diese bis dato noch nicht dazu herabgelassen, die Gäste mal offiziell willkommen zu heißen, oder mal einen Rahmen oder ein Programm anzukündigen. Kunststück, denn es gab überhaupt kein Programm, bis auf das, was auf der offiziellen Website des Catonium nachzulesen war.

Es gab auch keinen Überraschungsgast, denn der war wohl entweder frei erfunden, oder es wäre womöglich der gewesen, welcher in der Woche zuvor bereits abgesagt hat. Es sollte noch besser kommen…
Es war bereits deutlich nach 21:30 Uhr und die Gäste wurden doch langsam gehörig unruhig. Immerhin hatte Steves Rope Model der vergangenen Tage es geschafft, den Sensei zu einer persönlichen Begrüßungsrunde zu animieren. Das, obwohl er seit London wegen einer Beinverletzung selbst etwas schlecht zu Fuß war. Von einer Performance war weit und breit nichts zu sehen. Ich selbst war es, der zum Veranstalter gegangen ist, um ihm den Unmut und die Unruhe der Gäste zu klagen. Immerhin kennen wir uns ja bereits eine Weile. Dachte ich. Das gerade diese Klage eine Woche später zum Streit führen würde, habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert. “Die Leute sind unruhig, die erwarten hier was. Was ist mit den Shows? Wann tritt Grimme auf, wann tritt Steve auf? Wenn nicht langsam etwas passiert, gibt das eine Katastrophe!” Das waren meine Worte. Worte. Sender -> Empfänger. Wahrnehmung. Kommunikation. Was davon angekommen war, sollte mir später um die Ohren fliegen. Die Antwort an dem Abend aber war “Was erwartest du bitte für diesen Eintrittspreis? In Tokyo nimmt Steve 400 Euro pro Person für eine Show!”. Diese Aussage, die ich inhaltlich nicht überprüfen kann, aber stark bezweifele war an sich schon ein Schlag ins Gesicht. Der arrogante Ton krönte das nur. Und: Diese Aussage wurde mehreren Gästen gegenüber unabhängig wortgleich wiederholt.
Kurz darauf, so nach 22 Uhr, traten Matthias Grimme und RopeCat auf. Spannenderweise, so wusste Tigresse nach einem Gespräch mit letzterer zu berichten, waren sich nicht einmal die Beiden vorher darüber im klaren, dass sie als Performancekünstler im Programm standen (Siehe Bild. Oder war doch Steve selbst gemeint? Fragen über Fragen…). Nun ist es für die Beiden natürlich kein größeres Problem, mal eben eine Show aus dem Ärmel zu schütteln. Nicht nach so langer Bühnenerfahrung.  Trotzdem nahm die Enttäuschung kein Ende, als sich abzeichnete, dass das möglicherweise die einige Darbietung des Abends bleiben würde.
Es ist wieder dem persönlichem Einsatz von Steves Rope Model zu verdanken, dass sich Osada Steve dann doch noch zu einer kurzen aber emotional intensiven Newaza-Performance überreden. An dieser Stelle nochmal von uns aus allerwärmsten Dank! Du bist und bleibst großartig! Newaza hat nur einen ganz entscheidenden Nachteil: Es ist halt Bodenarbeit! Also nicht von allen Seiten aus problemlos einzusehen. Unser persönlicher Vorteil: Wir kannten den technischen Ablauf dieser speziellen gezeigten Fesselung vom Donnerstag zuvor aus eigener Erfahrung. Also war unser Bedürfnis, Steve dabei auf die Finger zu schauen, eher gering, und wir konnten uns auf den emotionalen Teil voll und ganz konzentrieren. Andere mit ähnlich schlechtem Bickwinkel waren auch an dieser Stelle nachvolliehbarerweise deutlich enttäuschter. Und tatsächlich war es das dann auch an offiziellem Programm für diese Party!
Nein, stopp, ein kurzer Punkt war da noch: Ein mit den Veranstaltern befreundetes Paar aus Süddeutschland ließ es sich nicht nehmen, die beiden für den gelungenen Abend(!) und die großartige Organisation der vergangenen Woche in den Himmel zu loben. An dieser Stelle erspare ich mir jeden weiteren Kommentar… Wir sind dann zumindest in die Romanik abgezogen und haben unser eigenes Programm gemacht, während Tigresse mit SinaTrips das neue Traversen-Tripod der Veranstalter getestet hat.

Dienstag darauf – Tüdeltreff. Es laufen immer noch Workshops, die Veranstalter der Hamburger Version der Great Suspension Tour sind naturgemäß auch gegenwärtig. Der Tüdeltreff ist eine lockere, flauschige Veranstaltung für Bondagebegeisterte aller Art – und meist sehr, sehr voll. An diesem Tag sind irgendwie noch mehr Menschen als sonst anwesend. Nicole und ich brauchen allein eine gute halbe, dreiviertel Stunde, um die ersten 10 Meter die Theke entlang zurückzulegen. Das ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil der Veranstalter an seinem gewohnten Platz sitzt, und die Red Hall überblickt. Wir schaffen es also erst nach gut 45 Minuten, ihn zu begrüßen. Von seiner Lebensgefährtin und Co-VA bis dahin keine Spur. Das war offensichtlich falsch von uns! Offensichtlich wurde von uns, seinen Schülern, erwartet, dass wir alle Leute links liegen lassen, an ihnen vorbeistürmen, und ihn bevorzugt begrüßen. Oder sie (die zu dem Zeitpunkt “irgendwo” war). Oder beide. Hamwanichgemacht. So what..?
Irgendwann sind wir dann hoch auf die Empore, haben uns einen Hängepunkt gesichert, und haben zur Abwechslung mal wieder eine Yoko Zuri gefesselt. Irgendwann kam Steve mit Bunny an uns vorbei (geführt von der LG des VA, welche uns vollständig ignorierte), begrüßte uns kurz, sicherte sich einen Hängepunkt, und begann hingebungsvoll sein Bunny in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus zu führen. Insgesamt wurden wir noch ungefähr vier mal auf diese Weise von dieser Person ignoriert. Nun ja, dachten wir uns, warten wir mal den nächsten Dienstag ab.
Man muss dazu vielleicht ergänzen, dass noch am Sonntag nach der Party sowohl Tigresse, als auch SinaTrips eine nicht unbedingt wohlwollende, aber doch im Ton sachliche Kritik zum “1. Nawa Kai mit Osada Steve in HH” öffentlich auf dem größten deutschen Erotikportal abgegeben haben. Wir selbst haben uns bis dahin öffentlich mit einer Meinungsbekundung zurückgehalten, getreu dem Motto, wenn Du nichts wohlwollendes über eine Sache sagen kannst, sage nichts darüber.  Uns beschlich aber der Verdacht, wir könnten da irgendwie in Sippenhaft genommen werden.

Einen Dienstag später. Es trifft sich wieder “unsere” Fesselschule. Die Stimmung? Unterkühlt. Wir warten darauf, dass wir direkt auf das oben beschriebene Angesprochen werden. Fehlanzeige. Es wird ein Feedback von der Gruppe eingefordert, wovon wir schon weitestgehend ausgeschlossen werden. Es sollte aber noch bis zur Pause dauern, bis man uns anspricht. “Wir möchten nachher nochmal mit euch reden.” Nö. Nicht nachher. Jetzt! wenn ich eins zutiefst hasse, dann auf diese Weise “vorbereitet” zu werden. Ich erzwinge die Aussprache in der Pause. Die Einzelheiten erspare ich mir an dieser Stelle. Nur soviel, dass unser Verdacht der Sippenhaft absolut zutreffend war. Viel mehr Substantielles konnte man nicht aufbieten. Der dreisteste Vorwurf aber war, dass ich “ihn” auf der Party bedroht habe! Ich hätte gesagt, wenn Steve nicht gleich auftrete, würde ein Unglück geschehen! Ja nee, is klar! Ich erinnere an die Beschreibung der Situation oben. Und an den Hinweis an das Vier-Ohren-Modell von Schultz von-Thun! Ich habe zu keinem Zeitpunkt irgendjemanden bedroht, sondern lediglich die Stimmung an diesem Abend weitergegeben und unterstrichen. Mehr gibt es dazu nichts mehr zu sagen. Ausser, dass wir das Nawa Do an diesem Abend vorzeitig verlassen haben, weil ich nach diesem Streitgespräch nicht mehr in der Lage gewesen wäre, irgendetwas sinnvolles zu produzieren. Und, dass wir uns jetzt wohl nach einem neuen Lehrer umsehen dürfen…
Danke für die zweieinhalb lehrreichen Jahre!

 

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