Spaziergang mit Tigresse – Intermezzo (Teil 1)

Den letzten Montag habe ich mit Tigresse verbracht. Sie hatte sich neulich einmal “mehr D/s” gewünscht. Wohlgemerkt, sie als submissiver Part. Sie. Die alltagsdominante Tigerin, die instinktiv alles toppt, was nicht bei drei auf dem Baum ist! Wer jetzt glaubt, dass Dominanz und Submissivität bei einem Menschen immer und überall und allen Menschen gegenüber gleich stark ausgeprägt ist, der irrt unserer Meinung nach sehr. Ja, natürlich gibt es sie, die (meist männlichen) Überdoms, die einfach alles und jeden auf dieser Welt wegdominieren und niemals auf gar keinen Fall nie nicht in eine devote Haltung irgendjemanden gegenüber verfallen würden. Und in der Realität sieht das dann plötzlich ganz anders aus. Verbalplatzhirsche und Tastaturdoms, die IRL auf die normale Dominanz eines Pandas zusammenschrumpfen. Wohl dem, der nicht mit der BDSM-Bibel unterm Kopfkissen schläft, in der unumstößlich festgeschrieben steht, das nicht sein kann, was nicht sein darf!
Die Wahrheit[TM] ist doch vielleicht eher, dass die meisten Menschen in unterschiedlicher Ausprägung dominante und submissive Persönlichkeitsanteile in uns tragen, die je nach Tagesform, Situation und Gegenüber mehr oder weniger stark zu Tage treten. Aber ich schweife ab…
Fakt ist, meine Tigerin entdeckt gerade ihre Sub-Seite mit mir und möchte da mehr erleben. Zeit, um ein lang gehegtes Kopfkino einmal in die Tat umzusetzen: Einen Spaziergang mit verbundenen Augen durch die Stadt, einschließlich zu erledigender Aufgaben. Und zwar nackt! Ok, fast nackt. Und welcher Ort, so dachte ich, eignet sich dafür besser, als die selbsternannt sündigste Meile der Welt. Dass die Reeperbahn in Hamburg diesem Etikett nicht (mehr) wirklich gerecht wird und stattdessen immer mehr zur ballermannesken Partymeile verkommt, das sollten wir aber recht zügig erfahren.
Wir verabredeten uns also für den Nachmittag an der Astra Brauerei St. Pauli, welche technisch betrachtet noch nicht so ganz auf der Reeperbahn ist, aber natürlich zum Kiez-Umfeld dazuzählt. Nachmittags deshalb, weil ich mir dachte, dass da weniger besoffene Spinner herumlaufen, und weil wir die Hitze eines der letzten Spätsommertage für den bis einschließlich 29,9°C frierenden Frostköttel brauchten.
Der Laden ist noch recht neu. Nicole und ich waren bereits einmal dort und haben etwas gegessen und getrunken. Nicht schlecht, lockeres Personal, cool aufgemachter Laden. So unser damaliges Urteil. Und da Astra ja seeeehr gerne mit halbseidenen, in den Augen Mancher durchaus sexistischen Werbemotiven* auf sich aufmerksam macht, und das Zuhause sein auf dem Kiez zelebriert, können sie ja eigentlich nichts dagegen haben, wenn wir da ein paar Vorbereitungen für unseren Spaziergang treffen.
Ich war, wie es sich für einen “richtigen Dom” gehört, etwas früher als Tigresse vor Ort, akklimatisierte mich, bestellte ein koffeinhaltiges Kaltgetränk, und bereitete mich vor. Sicherheitshalber sprach ich mit der Bedienung, welche Aussah, als wäre sie auf dem Kiez groß geworden, über mein Vorhaben. Seine Antwort: “Solange Du sie hier nicht schlägst, kannst Du machen, was Du willst…” Nun, das hatte ich hier in der Öffentlichkeit tatsächlich nicht vor. “Klasse! Läuft!”, dachte ich…

Die Tigerin erscheint.

Tigresse reiste mit der U-Bahn an. Kurz vor der vereinbarten Zeit stöckelte sie in roten Peeptoe-Pumps aus dem Treppenaufgang Reeperbahn, steuerte halbwegs zielsicher auf mich zu. Wir küssten uns wie gewöhnlich zur Begrüßung und ich bedeutete Ihr, sich zu setzen. Sie hatte mir am Vorabend schon gestanden, dass sie ähnlich wie damals vor unserer ersten gemeinsamen Party im Catonium gepflegt nervös sei. Nun ja, ich hatte sie ja auch mit Details über mein Vorhaben verschont. Ihr nur Ort und Uhrzeit genannt, was sie anziehen und was sie alles mitbringen soll. Auf ihre Frage, was ich vorhabe, hatte ich nur lakonisch “Du wolltest mehr D/s, du sollst es bekommen…” geantwortet. Tatsächlich hatte sie anscheinend trotz Hinweis gebender Order, sie solle Halseisen, Arm- und Fußmanschetten und ein paar Baumwollseile mitbringen, keinen Schimmer was ich plante.
Smalltalk. Wie war dein Tag? Sie trinkt ein Selter. Der Versuch, Nervosität abzubauen halt.
Ich trank meine Cola aus und beschloss, es sei jetzt langsam an der Zeit. “Wink doch mal bitte den Kellner heran.” Ich bezahlte, legte ein Sitzkissen auf den Boden rechts von meinem Sessel und beorderte sie zu mir. “Knie dich hier hin und gib mir das Halseisen!” Sie tat, wie ihr geheißen. Ihre Nervosität war jetzt deutlich spürbar, als ich den schmalen, noch kalten Edelstahlreif um ihren Hals legte und verschloss. Jetzt bist du mein! Ich stand auf, trat hinter sie, verband ihr die Augen und half ihr dann aufzustehen, damit sie sich nicht in ihrem langen Rock verfing, und befahl ihr die Bluse auszuziehen. Schlucken. Gewohnheitsmäßig trug sie keinen BH. In Wahrheit besitzt sie nicht mal welche, was ich persönlich sehr begrüße. Ich holte ein Juteseil aus meinem Beutel, löste das Seilbündel, und begann ein Zierbondage in Form eines Pentagramms aufzufesseln. Das sollte, so der Plan, das Einzige sein, was sie für unseren Spaziergang obenherum anhaben durfte.
Erwähnte ich bereits, dass wir uns in einem öffentlichen Lokal befanden? Es waren zwar nur wenige weitere Gäste anwesend, die bisher wenig Notiz von uns nahmen, aber durch das schöne Wetter war die große Fensterfront komplett geöffnet und unser Tisch befand sich im Eingangsbereich, so dass wir auch von der Straße auch sehr gut zu sehen waren. Das Pentagramm war schnell fertig. Jetzt sollte das “Höschen” an der Reihe sein. Dafür holte ich ein dünnes Baumwollseil aus der Tasche und sagte ihr, sie solle nun den Rock fallen lassen. Tigresse ist eigentlich ein Mensch, dem Scham so fast völlig fremd ist, aber hier zögerte sie merklich. Ich erklärte ihr, was ich vorhabe. Der Rock fiel. An dieser Stelle muss ich einschieben, dass ich Ärger zu bekommen absolut mit einkalkuliert habe. Aber die Aussage der Bedienung ließ mich zuversichtlich sein, dass alles klappt wie geplant. Immerhin, “solange Du sie nicht schlägst kannst du alles mit ihr machen” schließt insgesamt sehr wenig aus!

Rauswurf deluxe

Ich hatte gerade das Seil um die Hüften gelegt, den ersten Richtungswechsler geschlagen und das Seil durch die Beine gezogen, als ein anderer Typ in weißem T-Shirt vor mir erschien und lächelnd in sehr freundlichem Ton meinte, nach erneuter Rücksprache mit dem Management mögen wir bitte gehen. Ich bestätigte ihm, das verstanden zu haben, und dass wir dem natürlich nachkommen werden. Natürlich befanden wir uns genau jetzt in einer Situation, die eine umgehende “Flucht” nicht erlaubte. Wozu auch? Seil abtüdeln, Rock wieder hoch, Chiffon-Bluse an, soviel Zeit muss sein.
Was jetzt folgte, spricht nicht für Astra, nicht für diesen Laden und läuft der Selbstdarstellung von Astra und der sündigsten Meile der Welt diametral entgegen. Denn plötzlich kam ein untergroßer, untersetzter stark bärtiger Typ von draußen an und pöbelte los. Die exakte Wortwahl ist hier leider nicht zitatfähig. Ich entgegnete ihm, dass wir ja bereits einpacken und in wenigen Augenblicken verschwunden sein werden. Leider verfing sich Tigresses Absatz im Rock, so dass es doch etwas dauerte, bis alles wieder gerichtet war. Das ging dem prüden Zwerg dann wohl nicht schnell genug, denn er kam erneut und pöbelte in noch heftiger Weise und in zunehmend erkennbarem süddeutschen Akzent. Wer er denn überhaupt sei (dass er das Maul soweit aufreiße), habe ich ihn gefragt. “Ich bin hier der Brauherr!”, betonte er seine Wichtigkeit (und Idiotie).Ah ja… Ein Glück, wir waren inzwischen fertig; alle möglicherweise seine zarte Seele gefährdenden Teile waren wieder halbwegs züchtig verpackt, also führte ich Tigresse die zwei Stufen herunter an den Tischen vorbei auf die Straße. Raus aus dem Laden, den wir in zukunft also wirklich keinem mehr weiterempfehlen können. Es gibt eh besseres Bier. Buddelship zum Beispiel. (#WerbungweilWerbung)
Auf der Straße angekommen brauchten wir eine kurze Pause, um uns zu sammeln. Tigresse war glücklicherweise schon im Sub-Modus angekommen, sonst wäre ihre einsetzende Schimpftirade schon gekommen, als Zwergi uns ampampte, und auch bedeutend heftiger ausgefallen. So konnte ich sie zum Glück rasch wieder einfangen, während wir uns langsam in Richtung Große Freiheit, bzw. Beatles-Platz in Bewegung setzten. Nun gut, dann führen wir unseren Spaziergang also in etwas entschärfter Form durch.
Der Bereich vor dem Molotow ist teilweise immer noch Baustelle, so dass ich Tigresse über erste kleine Hindernisse führen musste. Zeit für sie, Vertrauen zu fassen.
Auf dem Beatles-Platz legte ich ihr zunächst die noch fehlenden Armmanschetten an und positionierte sie anschließend zwischen John Lennon und George Harrison, öffnete die eh nur hauchzarte Bluse, welche ihre Brüste mehr betonte als verbarg, erneut, ließ sie ihre Arme hinter dem Kopf verschränken und mit hüftbreit auseinandergestellten Füßen stehen. Eine klassische Position. Ich entfernte mich einige Meter von ihr, gleichwohl sie und die Umgebung nie aus den Augen lassend, und überließ sie so ihrem Kopf und ihren Gefühlen. Erst ein paar Minuten später näherte ich mich ihr wieder, verknotete die Bluse wieder locker, gab ihr Halt und Sicherheit, nahm sie beim Arm und führte sie weiter die Reeperbahn entlang in Richtung Millerntor. Die nächste Aufgabe hatte ich indes schon im Kopf…

(Fortsetzung folgt)

 


*) Hier ein paar aus dem weltweiten Netz entliehene Beispiele für freizügige Werbung von Astra mit recht eindeutigem BDSM-Bezug. Liebe Leute von Astra, nicht nur posen. Macht euch einfach mal locker!

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